Triargh! Freud & Leid des Veranstaltens in der Moselstadt
Manche Leute denken, hinter tempo90 stünde eine Riesencrew – dabei sind wir nur ganz wenige! Mit 2,3,4 Leuten eine Party zu schmeissen ist Arbeit, zum Glück solche, die Spaß macht, auch wenn sie sich materiell nicht rechnet. Homo musicus statt homo oeconomicus.
Damit überhaupt jemand kommt, muss man Werbung machen. Professionelle Plakate und Flyer entwerfen, sowie informative und druckreife Pressetexte schreiben kostet kein Geld, aber viel Zeit. Der Druck des Materials belastet die Kasse jedoch extrem: Flyer sind vergleichsweise billig, aber eins unserer Plakate kostet je nach Auflage zwischen 70ct und 1 Euro. Anzeigen in den örtlichen Magazinen sind für uns eigentlich unbezahlbar.
Und Plakatieren selbst macht irren Spass. Vor allem im Winter. Egal ob Regen oder Sonnenschein, man fühlt sich immer wie ein Schwerverbrecher. Es gibt zudem viele Veranstalter, die eher Tapezierer als Plakatierer lossschicken. Deren massiver Output liegt daran, dass kommerzielle Plakatierer nach Zahl der Plakate bezahlt werden. Ergo: Eine Wand mit Platz für 30 Plakate wird komplett mit einer Party zugepflastert. Dann kommt der nächste und überklebt wieder alles. Außer in den Semesterferien hat ein Plakat in Trier eine Lebensdauer von 2 Tagen oder kürzer. Anstatt die rare kollektive Ressource Plakatierfläche sinnvoll (d.h. jeder erhält ein wenig Platz) zu nutzen, wird sich eine irrsinnige Materialschlacht geliefert. Problematischerweise schrumpft die Fläche immer weiter. “Uns schöner Trier” (eine Aufschrift der Mülltonnen in der Fußgängerzone) verwandelt sich wie eine von Franchise-Ketten dominierte Innenstadt. Alte Abbruchhäuser u.ä. im Stadtkern werden seltener. Das Plakatieren auf Stromkästen u.ä. ist mit heftigen Bußgeldern belegt. Sinnvoll wäre es, Flächen kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Litfaßsäulen u.ä. gibt es, aber die sind privatisiert und ihre Nutzung kostet €€€.
2 Kommentare bisher
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19. Januar 2006 um 18:57 Uhr
La Fuchs sagt,
schöner text. deckt sich mit meinem empfinden… ich kann dieses “in trier ist nix los” einfach nicht mehr hören. es gab in den letzten jahren zu hauf spannende konzepte und gute partys (man ziehe nur mal einen vergleich mit “metropolen” gleicher größe)… die dann bei zuschauerzahlen von 20-50 krepiert sind. natürlich kann man jetzt den ganz großen bogen von abnehmende finanzkraft des zielpublikums über mangelnde wertigkeit von subkultur bis hin zu verändertem weggehverhalten durch straffung der studiengänge schlagen, aber das lieber in aller ausführlichkeit bei einem vodka-booster
20. Januar 2006 um 15:10 Uhr
myom sagt,
danke! gut, dass man in blogs auch nicht druckreif dilletieren darf
wollte nur mal schnell ein paar dinge loswerden, weil wirklich viele leute mit falschen vorstellungen über kleinveranstalter wie uns rumlaufen (no offense).