Mad Decent Radio

Mad Descent Radioveröffentlicht bei munitionen.de

Diplo ruht sich nicht darauf aus, für M.I.A. produziert, auf Big Dada mit seinem aufregenden Debut-Album Florida das Erbe DJ Shadows angetreten, die Baile Funk-Lawine ins Rollen gebracht und in Folge Remix-Aufträge von Kanye West bis Bart Simpson eingefahren zu haben. Einige der großen Künstleraufgaben bewältigt er offenkundig: Trotz Media-Hype lässt er sich weder stilistisch festnageln, noch verliert er sich in Gefälligkeiten sondern hält das Ohr an die Böden der Welt (where Woytila only kissed them).

Mad Decent heisst sein Label, auf dem produziert, aufgelegt, getourt und einmal im Monat Äther und Netz mit feinsten Radioshows bereichert wird.

Hard to find: Die Radio-Homepage mit Quicktime-Audio-Stream (wtf?) und dem iTunes-Podcast. Non-Fashion-Victims ohne iTunes klicken hier für den Podcast-RSS-Feed.

Im Podcast-Archiv finden sich einige Perlen: Shows in denen der elektronische oder traditionelle Underground von Israel, Paris, Elfenbeinküste, New Orleans oder Buenos Aires vorgestellt oder verstorbenen Größen wie J Dilla oder James Brown Tribut gezollt wird.

Wem die Shows zu kurz geraten, bekommt hier seinen zweistündigen Essential Mix auf BBC Radio1 vom September 2007.

Weitere Infos bietet dieses Video-Interview:
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16. Januar 2008 | Music-Tipps |

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Amon Tobin @ Rotonde 2, Luxembourg

Amon Tobin spielte in Luxembourg auf und diesen Hochkaräter konnte man sogar umsonst bestaunen, man musste sich lediglich vorher Karten besorgen. Danke sehr! Die Veranstaltungen war eine von vielen zum Abschluss des Jahres der Europäischen Kulturhauptstadt 2007. Hier muss man nochmal ausdrücklich die Vielseitigkeit lobpreisen. Neben dem von mir besuchten eher experimentellen Elektronik-Veranstaltung wurde z.B. auch die Tanzflurfraktion in der Rockhal mit DJ Hell, Mousse T & Etienne der Crecy bedient. Bereits im laufenden Jahr hatte man bewiesen, dass man einen zeitgemäßen Kulturbegriff pflegt – in Trier würde der hiesige Kulturreferent zu solcher Gelegenheit wohl Leiendecker Bloas und André Rieu gastspielen lassen und vollmundig bekunden, man habe ja sowohl E-Musik als auch U-Musik bedient.

Neben Headliner Tobin traten je ein Act aus den Partnerstädten auf. Den Auftakt machte Trierer Massju, der einigen durch sein Netzlabel Weird & Wired und seine IRoMi-Parties bekannt sein dürfte. Danach lieferten die HipHop-lastigen Cupp Cave aus Belgien, denen man einen MC an die Seite gewünscht hätte und Giant Metal aus Metz solide, aber optimierbare Darbietungen ab.

Ich bezweifle, dass hier jemand liest, der Tobin nicht kennt, deshalb spare ich mir viele Worte, sondern spreche nur eine uneingeschränkte Kaufemfpehlung für sein letztes Album Foley Room aus, in dem er zum ersten Mal hauptsächlich mit Feldaufnahmen gearbeitet hat, anstatt wie zuvor seine Samples aus musikalischen Werken zu beziehen. Hier gibt´s zudem noch einen aktuellen Mix vom BBC.

Gegen 23.00h trat der Über-Ninja an seine drei Numark CDX und legte eine Mischung aus DJ-Set und Live-Performance hin, die erwartungskonform ohrenbetäubend großartig war. Wer sein Schaffen eingehender verfolgt, dem blieben große Überraschungen erspart. Das „7.1.-Surround Sound Set“ erwies sich – wie schon anderorts zu lesen war – als ziemliche PR-Ente, da außer dem Intro nichts entsprechend abgemischt war. Neben neueren Versatzstücken seines eigenen Oeuvres bewegte sich sein Set zwischen Drum&Bass mit bspw. Tracks von Noisia oder irgendeinem Messiah-Remix, sowie aktuellem Dubstep – was die uneingeschränkte Tanzbarkeit des letzteren bewies, wenn der Bass denn genug drückt. Einige der dargebotenen Diskontinuitäten und Brüche darf sich lediglich im „Konzert“-Format erlauben und würden im Clubkontext wohl gnadenlos abgestraft. Nach exakt 75 Minuten war dann leider schon Schluß.

Eine vortreffliche Wahl hatte man für die Position des Rausschmeisser-Acts getroffen. Wir mutmaßten nach wenigen Minuten, der Sohn des Bürgermeisters hätte sich einen Platz im Line-Up herbeikorrumpiert. Weit gefehlt. Wie die Recherche im Nachhinein offenbart handelte es sich um eine „exclusive collaboration“ von Francesco Tristano und Justin Messina, ihres Zeichens international erfolgreiche, klassisch ausgebildete Hanswürste. Sie hatten vorgestern vom Nikolaus irgendeine Sequencer-Software geschenkt bekommen und probierten sie nun zum ersten Mal aus. Herr Tristano stellte sein Notebook auf den scheinbar eigens dafür aufgestellten Flügel und las vor sich hin wippend E-Mails. Der andere Großmeister vollführte – ebenfalls wippend – alle 5 Minuten einen waghalsigen Klick auf seinem Macbook. Zu hören gab´s minutenlang nur eine 4/4 Kickdrum und zwei Hi-Hats. Eine Hat gefiel den beiden offenbar so gut, dass sie 15 Minuten durchlaufen durfte, ohne durch irgendwelche Modifikationen oder gar Effekte & Filter gestört zu werden. Als sich nach einer gefühlten Ewigkeit weitere Sounds dazu gesellten, offenbarte sich engültig, dass das Taktgefühl der beiden wohl am Flughafen verloren gegangen sein musste. Schuster, bleib bei deinen Leisten – das kann heute wirklich jeder 14jährige ohne jegliche Vorkenntnisse besser. So einen unwürdigen Abschluss hatte der Abend nicht verdient.

9. Dezember 2007 | Event-Reviews, Music-Tipps |

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Saul Williams – Niggy Tardust

Dann doch mal auch im Blog der Hinweis:

Saul Williams´ neues Album „Niggy Tardust“ veröffentlicht er auf http://niggytardust.com/ umsonst zum herunterladen in 192 kbps mp3 und ohne DRM-Unsinn. Für 5 $, also läppische 3 EUR, gibts das Ganze auch in 320 kbps oder flac.
Sympathischer Ansatz, aber ich glaube nicht, dass man von der Solidarität der Konsumenten sein Einkommen bestreiten kann.

Produziert ist das Teil von Trent Reznor (NIN). Gefallen tut es überraschend gut. Sein bestes, möcht ich meinen.
Ein Interview mit den beiden im NY Mag zum Album- / Releasekonzept.

Ein Fav ist der letzte Track „The Ritual“, nicht nur weil der Text („calling haves and have-nots“ … die einzigen Lyrics die im Bookelt fhelen, grrr) so „schön“ zur vorgestern veröffentlichten Studie des Deutschen Wirtschaftinstituts (kurzes Interview) zur Vermögensverteilung passt.

Ein Interview mit SW in der Wake Up-Show über den state of hiphop & politics:

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UPDATE  03.01.08:

Trent Reznor auf www.nin.com über das Ergebnis des „Experiments“, das meine obige Einschätzung bestätigt:

It’s a strange time to be an artist in the recording business. It’s pretty easy to see what NOT to do these days, but less obvious to know what’s right. As I find myself free from the bloated bureaucracy of major labels, finally able to do whatever I want… well, what is that? What is the „right“ way to release records, treat your music and your audience with respect and attempt to make a living as well? I have a number of musician friends who are either in a similar situation or feel they soon will be, and it’s a real source of anxiety and uncertainty.
I’d like to share my experience releasing Saul Williams‘ „The Inevitable Rise and Liberation of NiggyTardust“ and what I’ve learned from the process. Perhaps by revealing of all our data – our „dirty laundry“ – we can contribute to a better solution.

A quick history: Saul makes a great record that I produce. We can’t find the right home at a major label. We decide to release it ourselves, digitally. Saul does not have limitless financial resources so we shop around for a company that can fulfill our needs. We choose Musicane because they are competent and are willing to adapt to what we want. The results are here: niggytardust.com

We offer the entire record free (as in totally free to the visitor – we pay bandwidth costs) as 192 MP3s, or for $5 you can choose higher fidelity versions and feel good about supporting the artist directly. We offer all major CCs and PayPal as payment options.
Here’s what I was thinking: Fans are interested in music as soon as it’s available (that’s a good thing, remember) and usually that’s a leak from the label’s manufacturing plants. Offering the record digitally as its first appearance in the marketplace eliminates that problem. I thought if you offered the whole record free at reasonable quality – no strings attached – and offered a hassle free way to show support that clearly goes straight to the artists who made it at an unquestionably low price people would „do the right thing“. I know, I know…
Well, now I DO know and you will too.

Saul’s previous record was released in 2004 and has sold 33,897 copies.

As of 1/2/08,
154,449 people chose to download Saul’s new record.
28,322 of those people chose to pay $5 for it, meaning:
18.3% chose to pay.

Of those paying,

3220 chose 192kbps MP3
19,764 chose 320kbps MP3
5338 chose FLAC

Keep in mind not one cent was spent on marketing this record. The only marketing was Saul and myself talking as loudly as we could to anybody that would listen.
If 33,897 people went out and bought Saul’s last record 3 years ago (when more people bought CDs) and over 150K – five times as many – sought out this new record, that’s great – right?
I have to assume the people knowing about this project must either be primarily Saul or NIN fans, as there was very little media coverage outside our direct influence. If that assumption is correct – that most of the people that chose to download Saul’s record came from his or my own fan-base – is it good news that less than one in five feel it was worth $5? I’m not sure what I was expecting but that percentage – primarily from fans – seems disheartening.
Add to that: we spent too much (correction, I spent too much) making the record utilizing an A-list team and studio, Musicane fees, an old publishing deal, sample clearance fees, paying to give the record away (bandwidth costs), and nobody’s getting rich off this project.

But…
Saul’s music is in more peoples‘ iPods than ever before and people are interested in him. He’ll be touring throughout the year and we will continue to get the word out however we can.

So – if you’re an artist looking to utilize this method of distribution, make of these figures what you will and hopefully this info is enlightening.

Best,
TR

8. November 2007 | Music-Tipps | Tags: keine | Kommentar schreiben »

Le Peuple de l´Herbe @ Kulturfabrik, Esch-Alzette

Wieder mal eine kleine Konzert-Rezension aus Luxembourg. Ein nicht zu unterschätzendes Plus Trier´s ist ja die Nähe zu Benelux & Frankreich. Da kann man so einige musikalische Schmankerl zu Gesicht bekommen, die in good old germoney nicht in ausreichendem Maße geschätzt werden. Hier würde man sich mit solchen Angeboten ruinieren, aber gar nicht so weit weg geht das. An einem stinknormalen Dienstag den 2. Oktober (den Tag der deutschen Einheit feiert man in Luxembourg ja kurioserweise nicht) die Kulturfabrik zu füllen, beweist einen gewissen Beliebtheitsgrad des Acts.

Die hierzulande als Geheimtipp gehandelten Le Peuple de l´Herbe haben sich ihren Status durch intensives Touring (400 Konzerte in 6 Jahren) als auch durch einige exzellente Studioalben verdient. Die ersten beiden Triplezéro und P.H. Test Two rotieren hier immer mal wieder, das folgende Cube enttäuschte dagegen schon etwas und das neue Radio Blood Money. konnte beim Preview-Hören noch nicht richtig überzeugen. Deshalb hatte (nicht nur) ich auch auf eine Songauswahl gehofft, die älteres Material bedient, was dann glücklicherweise auch eingelöst wurde.

Was P.H. so dass sie gekonnt ein breites musikalisches Spektrum bedienen. Mit den britischen Herbaliser (Ninja Tune) teilt man nicht nur Gemeinsamkeiten im Namen: Auch P.H. bauen ihren Sound auf DJing und Sampling auf, sind stilistisch dem HipHop verhaftet und scheuen sich nicht, ihre Alben größtenteils mit Instrumentals zu füllen.

P.H. Theme (2001)

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Früher durfte man solche Musik TripHop nennen, ein Genre, zu dem insbesondere P.H.´s Trompeter eine Affinität nicht leugnen kann, der sich seinen Ascenseur pour l´échaffaud-Soundtrack sicher in vierstelliger Haufigkeit zu Gemüte geführt hat.

Kin Sapalot (live – 2005)

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[Kleine Anmerkung: Im Clip sieht man einen Ecler HAK320-Mixer im Einsatz. Freut einen immer wieder, wenn Pros das gleiche Equipment benutzen, wie man selbst. Stärkt die Überzeugung für etwaige Streitigkeiten in Clubs, die einem immer diese Pioneer-Drecksdinger hinstellen, „weil´s Standard is.“]

Doch damit der Einflüsse nicht genug: „Der Franzose an sich“ hat dem gemeinen Deutschen ja eine Affinität zu Dub, Reggae und in Konsequenz auch Jungle voraus, die auch im Sound von P.H. ihren Platz eingeräumt bekommt. Deshalb gesellen sich auch so einige breakbeatlastige Uptempo-Tracks ins Repertoire, wie die Single Ihres zweiten Albums mit britischer MC-Legende UK Apache (Original Nuttah).

No Escape feat. UK Apache (2002)YouTube Preview Image

Wie bringt man so ein vielseitiges Programm live rüber? Die Besetzung rekrutiert sich aus 6 Herren: Turntables & Sampler, Trompete & wasweißich, Keyboards & Bass und zwei wohldosiert eingesetzten MCs plus einem Drummer.

Die Schwachstelle meines Konzerterlebnisses war dann letztgenannter. Was nützt eine Melange aus den genannten Genres, wenn die Beats sich anhören, wie von einer Drummaschine mit ausgefallener Swingschaltung? Vulgo: Alles wird schön gerade und verrockt gespielt. Kurzes googeln bringt dann auch an den Tag, dass der Mann erst nach dem zweiten Album zur Band stieß und seine Zeit primär in einer Rock-Band aus Lyon tot prügelt. Auf Live-Videos macht er einen besseren Eindruck, vielleicht hatte er nur einen schlechten Tag oder der Live Engineer hat ein zu hartes Noise Gate auf die Snare gelegt, das keine Ghost Notes mehr durchgelassen hat. Nachdem sich diese musikpolizeilichen Überlegungen erstmal in meinem Kopf breitgemacht hatten, sprang dann auch der Funke nicht mehr so richtig über. Selbst schuld, da eigentlich nicht wirklich dramatisch.

Insgesamt war´s deshalb auch ein schönes Konzert, das auch jedem Gefallen hat, mit dem ich gesprochen habe. Ähnliche Acts wünsche ich mir auch für Trier, aber da würd wohl kaum einer hingehen (16 euro?!?! Wer ist das? Was für Musik?). Nächster Tipp für Esch: Dub deluxe mit High Tone am 15.11.

3. Oktober 2007 | Event-Reviews, Music-Tipps |

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London – August 2007

Ach ja, England … schön war´s mal wieder. Mit Frau J. 5 Tage in die Hauptstadt und dann für knapp ne Woche auf´s Land nach New Forest, Dorset und Kent. Natürlich gibts ein paar Infos über die musikalische Seite des Urlaubs:

Clubbing-Highlight war der Alchemy-Rave im Turnmills, einer mir bisher unbekannten in East Central (Faringdon). Sehr weitläufiges und verwinkeltes Venue, in dem man erstmal 20 Minuten rumlaufen muss, um sich zu orientieren. Normal in England: Soundsystems die nicht nur ein Karrée beschallen, sondern noch in der hintersten Ecke für guten Klang sorgen und ne tolle Lichtanlage.

Angenehm fand ich dort auch den gehobenen Altersdurchschnitt – das jüngere Ravepublikum zog´s wohl primär in die Brixton Academy, wo u.a. Pendulum, Subfocus und einige der im Turnmills auf Floor 2 vertretenen Recken aufspielten:

In London ist man ja Mega-Line-Ups gewohnt, aber im Turnmills hätte man sich klonen müssen, um alle Highlights mit zu bekommen. Mainfloor (Progression Sessions) mit Marcus Intalex + DRS, LTJ Bukem + MC Conrad, Fabio + MC Fats, Bryan Gee; Floor 2 (Primal) mit Goldie, Zinc, Andy C, Grooverider, Digital, begleitet von den MCs Flux & Stirlin plus ein spezieller Reinforced-Floor mit Oldskool-Sets von 4 Hero, Paradox, Randall und der von uns ja im Januar nach Trier geladenenen Storm. Die Gute hatte auch Zeit für nette Schwätzchen mit uns und glänzte wieder mit charmantem Understatement: „I´ve been practicing all day for this set and I´m so nervous. That early 90s stuff is so slow!„. Dass sie dann nicht weniger als ein lupenreines Set ablieferte überraschte kaum.

Intalex hatte hingegen kleine Schwierigkeiten, als er in der letzten halben Stunde seines Sets noch einige Klassiker verbriet und z.B. Photeks Rings Around Saturn total verholperte. Bis dahin war sein Set allerdings Top. Seine sehr deepen Sets haben für mich was Therapeutisches: Muskeln auflockern, Kopf freimachen und in den Sound eintauchen. Schön am Hauptfloor war auch, dass mit DRS, Conrad und Fats die Crème der UK-MCs am Start war.

Zum Abschluss gaben wir uns noch sensationelles Geballer von Digital mit wohl einigem Material von seinem kommenden Album. Um 5 enterten wir aber mal den Nightbus, denn am nächsten Tag wartete ja schon der Notting Hill Carnival .

Der Carnival ist ein afro-karibisches Event, dass im 40sten Jahr seiner Geschichte an 2 Tagen rund 2 Millionen Besucher auf die Straßen lockt. Den Kern bildet ein riesiger Umzug mit Wagen, auf denen Bands, DJs, Tänzer … Zusätzlich gibts ca. 30 (?) Soundsystems an fester Position die alle möglichen Musikstile bedienen. Abends gibts dann diverse After-Parties.

Wen man aus der U-Bahn rausgeschwemmt wird und einen erstmal die Sonne und wummernden Subs eines D&B-Soundsystems von zwei Blocks Entfernung treffen, muss man sich einfach gut fühlen. Ich bin überhaupt nicht der Typ für Massenveranstaltungen, aber das war wirklich nett!

Was mich bzgl. Clubbing noch interessiert hat war, wie man mit dem im UK schon existierenden Rauchverbot klarkommt, das wir hier ja auch ab November in Rheinland-Pfalz haben. Selbst als Vielraucher muss ich sagen: Es geht doch überraschend gut. Allerdings fallen einem diverse Gerüche unangenehm auf, die ansonsten vom Qualm übertönt werden. Also brav auf Körperhygiene achten. Und: Keine Hülsenfrüchte! Dumm kann´s auch laufen, wenn einem dämliche Bouncer nach einem Zigarettchen vor´m Club den Wiedereinlass mit „I haven´t seen your face before“ verwehren Passierte mir in so nem hippen Scheissladen bei der Old Street, in dem ne Freundin von ner Freundin Geburtstag feierte. (Schlußendlich landeten wir dann in ner Wohnung von irgendjemandem in der Nähe und dann noch in ner Jazz-Bar und nem Taxi mit fahruntüchtigem, indischen Fahrer und alles war gut.)

Was mich in England (neben anderen Dingen) heimisch fühlen lässt ist, dass Breakbeats als solche ein selbstverständlicher Bestandteil des musikalischen Spektrums sind. Everybody can relate to it – auch wenn D&B und NuBreaks immer noch Nischen sind. Hier kann man sich im gebührenfinanzierten öffentlichen Radio noch einigermaßen repräsentiert fühlen, was mir in D beim besten Willen nicht gelingen mag.

4. September 2007 | blablablub, Music-Tipps |

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Coldcut – Journeys by VJ @ Kulturfabrik, Esch-Alzette

Da dies einer der genialsten Abende in der Region war, muß ich einfach über ihn berichten, wenn auch nicht mir der Eloquenz der schreibenden Zunft, deren Vertreter, Herr H., mal wieder schneller war.

Coldcut sind die Gründer des Ninja Tune Labels, dass seit 1990 ein goldenes Händchen für wahrhaft außergewöhnliche Künstler hat, von denen Amon Tobin, Mr. Scruff, DJ Vadim, Cinematic Orchestra, Kid Koala und Herbaliser die bekannteren sind.

DJs und Musikliebhaber eines bestimmten Schlags führen Coldcuts „Journey by DJ“ von 1995 gerne als die beste Mix-CD aller Zeiten an, dies es übrigens auch wiederveröffentlicht auf CD gibt: „If you have any interest in music at all this is as essential as having ears.“ Diesen Ruf verdient sich der Mix primär damit, dass er wahrhaft ohne Brüche stilübergreifend („eklektisch“ war ja ein übernutztes Wort der Musikschreiberlinge der 90er) eine 70-minütige Reise (noch so eine Floskel)durch elektronische Musik bietet. Ich erinnere mich noch, bei einem meiner ersten öffentlichen Gehversuche als DJ (bei einer OpenHouse-Party, vermutlich 1998/99) von dieser CD einen Track mit darübergelegtem Spoken Word von Dead Kennedys-Sänger Jello Biafra gespielt und damit die Crowd durch die Decke geschossen zu haben. (those were the days … Stücke von Mix-Cds spielen wäre heute für mich undenkbar).
Was diese CD auch speziell macht: Sie wurde live auf 4 Turntables gemixt. Nicht nur bei offiziell auf CD veröffentlichten Studio-Mixes ist es heute üblich, dass es mehrere Takes gibt, aus denen dann einfach das beste zusammengeschnitten wird. Auch wenn Coldcut heute digitale Werkzeuge wie Ableton nutzen:

Sie beweisen in einer Zeit, in der jeder mit einem Computer einen „Mix“ zusammenklicken kann, dass es Talent, Musikwissen und technische Skills braucht, um wirklich etwas Schönes zu erschaffen. Das Angebot an DJ-Mixen, war wohl noch nie so groß, wie heute, aber um so rarer sind diejenigen, die auch nur ein Quentchen Kreativität enthalten. Um so trauriger, dass diese Genies an diesem Donnerstag nur gut 100 Leute in die Kulturfabrik ziehen. Es deprimiert mich zu sehen, dass es andernorts volle Säale gibt, wenn Wannabes ihre aus Soulseek geklauten MP3s uninspiriert und holpernd aneinanderkleben.
Auftritte von Coldcut sind ein ganz spezielles, audio-visuelles Erlebnis, denn wohl kaum irgendwo sonst gehen Musik und Video eine so enge Liaison miteinander ein. Es werden nicht nur irgendwelche stummen Clips zur Musik abgefeuert, sondern die Originalvideos mit Soundtrack oder Stimmensamples hörbar gemischt, gescratcht und getriggert.

Als Pioniere dieser Technik gilt das New Yorker Emergency Broadcast Network (Wikipedia), die später auch U2s Zoo-TV-Tour begleiteten (einige ältere Werke hier). Coldcut entwickeln seit Mitte der 90er die eigene Software VJamm, die den Kern ihrer Liveshow ausmacht. Hier ist ein Video in dem Matt Black die Technik des Coldcut-Setups vorstellt:

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Das Set beginnt mit dem immer wieder neu remixten More Beats & Pieces, das dem unkundigen Teil des Publikums das Prinzip der Show erklärt: Über HipHop-Beats und den FunkyDrummer teilen sich Jimi Hendrix und Angus Young (Bon Scott war der AC/DC-Sänger, Herr H.!) ein Gitarrenriff, und auch das Dschungelbuch und Peter & der Wolf schauen mal rein.

Ein besonderes Schmankerl des Abends ist der dritte Mann on stage: Der großartige Juice Aleem darf als MC in einigen wenigen Momenten aufblitzen, hält sich aber meist bedeckt und lässt der Musik ihren Raum.

Das Programm rekrutiert sich zu gleichen Teilen aus Tracks des letzten Albums, wie das um ein Bollywood-Sample kreisende Tru Skool mit Roots Manuva (Video) oder Everything is under Control, mit dem rappenden Literaturprofessor Mike Ladd (Video), verschiedenen Fremdkompositionen und Coldcut-Klassikern wie Timber, dessen wortlose Botschaft aktuell ist wie nie:

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Nach dem die erwartungsgemäß im Set untergebrachte, poppige Single des letzten Albums Walk a Mile in my Shoes (Video) Gelegenheit zum Bierholen bietet, fährt ZeroDB´s Bongos Bleeps and Basslines vom gleichnamigen Album gleich in die Beine. Darauf folgt dann mit Red Snapper´s – Hot Flush im Sabres of Paradise Remix eine echte Überraschung. Diesen TripHop-Klassiker gab´s schon ganz lange nirgendwo mehr zu hören.

Pünktlich zum Abtritt von Tony Blair bekommt Coldcuts Re:volution einen aktualisierten Mix verpasst. Zur Wahl 2002 gründeten mit der Guilty Party eine eigene Partei, deren „Wahlspot“ auf einem Video-Sample Blairs aufbaut: „The lunatics have taken over the asylum„.

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Up to date gebracht, kommt GWB Jr. auch in Re:volution zu Wort und zeigt im Breakdown dem Publikum, was er von ihm hält
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Drum&Bass und Jungle bekommen ihre Viertelstunde, wilder Höhepunkt ist Coldcuts Atomic Moog im nagelneuen Qemists-Remix.

Im Zugabenblock gibt´s dann noch eine Kombination zweier Film- und Musikklassiker: Das auf einem Orgelriff aufbauende Organ Donor von DJ Shadow wird kombiniert mit der Lustorgel-Szene aus dem Kultklassiker Barbarella (1968) mit Jane Fonda. (übrigens am Di. 10.7. auf arte).
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Wem ich jetzt Lust auf Coldcut gemacht habe, sei der zweistündige Essential Mix vom letzten Jahr ans Herz gelegt (Tracklist). Es gibt wohl noch einen Download. Unter den verschiedenen Podcasts aus dem Hause Ninja, gehört die Solid Steel-Show zu meinen Favoriten.

30. Juni 2007 | Event-Reviews, Music-Tipps |

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Dubstep in Trier – Bass ist los?

Das neue Ding aus London heißt Dubstep. Ganz Europa schielt neidisch auf die elektronischen Revoluzzer in Brixton. Der neue Style ist am Freitag (29. Juni) erstmals auf einem Trierer Dancefloor zu erleben.

Den Bericht von Jörg Halstein für hunderttausend.de kann man hier lesen!

Kleine Anmerkung zu dem ansonsten gelungenen Beitrag: „Erstmals auf einem Trierer Dancefloor zu erleben“ war Dubschlepp am 11.11.2005 (Helau!). Als würden wir hier erst mit dem Sound aufwarten, nachdem Intro, Arte und you-know-who schon auf den Stil aufmerksam geworden sind 😉 Gedreht hat die Scheiben damals auch schon Herr Flex.
Der Beleg-Flyer:

siehe Beitrag hier

und Review hier.

29. Juni 2007 | Music-Tipps |

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