Rest in Peace, Marcus Intalex

Marcus bei „10 Jahre tempo90“ 2011 im Exil

Beim letztjährigen Sun & Bass-Festival fiel uns auf, wie viele verschiedene DJs unterschiedlichster stilistischer Ausrichtung in ihrem Set einen Klassiker von Marcus verbaut hatten. Soviele zeitlose Drum´n´Bass-Tracks hat wohl kaum jemand sonst produziert – leider wird kein neuer mehr dazu kommen, da er am 28.5.2017 überraschend verstorben ist.

Ich hatte es zufällig sehr früh erfahren und wollte es gar nicht glauben. Drei Tage vorher hatte ich noch einen Fragebogen ausgefüllt, wen ich für die drei einflussreichsten Personen in der Szene halten würde, natürlich ihn genannt und über seine Stellung nachgedacht. Und dass sich in den Tagen danach die Timelines mit betrübten Stellungnahmen aus aller Welt füllten zeigt, dass die Drum´n´Bass-Familie eine ganz zentrale Figur verloren hat.

Und es war wirklich überwältigend, was da in den vergangenen Wochen passierte. All die Tributes und Charities, Anteilnahmen und persönlichen Geschichten, die aus allen Ecken der Szene aufpoppten, machten wirklich klar, dass seine Musik und sein Einfluss noch lange Jahre im Drum´n´Bass ihren Platz haben werden.

Marcus & ich 2011 im Exil bei „10 Jahre tempo90“

Er war auch für mich eine große Inspiration: Als wir mit tempo90 anfingen, Drum´n´Bass nicht nur für Friends & Family zu veranstalten, startete Marcus zeitgleich mit seinem Soul:R-Label. Er prägte den Sound jener Zeit, in der sich abzeichnete, dass Drum´n´Bass nicht nur ein Flirt mit irgendeiner Musikrichtung, sondern wirklich ein Teil meines Lebens werden würde.

Mir war es schon immer wichtig, dass wir mit unseren Events ein breites Spektrum abdecken und hatte daher selbst innerhalb der Crew vor allem die melodiöseren Sets und Liquid Tracks präsentiert. Und dass da mehr geht, als dark, hart und aggressiv hatte Marcus schon ´98 mit „How you make me feel“ auf 31 Records belegt und diesen kühl-deepen Soul mit Tracks wie Universe auf Metalheadz u.a. stilistisch geprägt. Später legte Soul:R dann jahrelang die Meßlatte für Liquid Funk, der bis Mitte der 00er seine goldene Ära hatte und dann irgendwann weitgehend in Formelhaftigkeit versank, während Marcus Soul:R schon in ganz andere Richtungen gesteuert hatte. Immer progressiv, aber immer klar verwurzelt in seinen markanten Basslines und der Art, wie er seine Drums zum rollen brachte.

Soviele zum Bersten positiv aufgeladenen Momente im Exhaus, Palais am Dom (wo wir phasenweise 3-400 Gäste hatten) oder der Idealbank (oh mein Gott) sind ganz eng mit Tracks von Marcus und seinem Label verbunden. Und natürlich 2003 in Mainz: Den ersten Abend als Paar mit meiner heutigen Frau verbrachten wir auf einer Party mit Intalex. Oder diese wunderbare Nacht im Londoner Turnmills mit DRS am Mic … live hat er die Seele mit Bass massiert, wie kein anderer.

An seinen Sets schaute ich mir auch einiges ganz genau an: Lange Übergänge, Spannungsbögen über mehrere Tracks aufbauen und bloß kein Verkriechen in einem Subgenre, sondern Drum´n´Bass in all seiner Vielfalt abwechslungsreich präsentieren, bei ganz hoher Meßlatte für die Selection.

Zu unserem 10-jährigen Jubiläum 2011 holten wir Marcus dann endlich nach Trier. Da wurde nochmal klar, dass der eher verschlossenere Typ, den man als arrogant und grummlig mißverstehen kann, tatsächlich aber ganz down to earth und ebenso herzlich ist, wie unsere anderen UK-Kontakte und damit seinem größten Trierer Fanboy und Namensvetter gar nicht so unähnlich. Der wird ihn noch lange vermissen. Und mit Stolz und einer Träne im Auge seine Musik weiterspielen. Ein Tribute Set nur aus seinen Tracks werde ich am 8.7.2017 spielen.

Hier noch das Lob, das ich damals für seinen Pressetext ausschütte:

Marcus Intalex ist seit 21 Jahren im Musikgeschäft und zählt zu den Tonangebern in der heutigen Drum&Bass-Szene. Als Produzent zeichnet er für zahlreiche Klassiker verantwortlich, zudem führt er mit Soul:r eines der meistrespektierten Labels des Genres.

In seinen DJ-Sets zeigt er immer wieder, wie wunderbar Clubmusik auf einem ganz unterschwelligen Level funktionieren kann: Mit einer fein durchdeklinierten Soundästhetik, einer minimalen Struktur und einem pulsierenden Bass. Wo andere simpel brachiale Sounds arbeiten lassen, setzt Marcus auf hypnotische Deepness, die sich viel subtiler aber dafür umso gewaltiger offenbart. Ein durchtanztes Intalex-Set gilt in der Szene nicht umsonst als „massage for mind, body and soul“.

Seine exquisiten Sets, die die unterschiedlichste Einflüsse des Genres auskundschaften, haben ihn schon in Clubs und Arenen rund um die Welt gebracht. In seiner Heimat spielt er neben Gigs im ganzen Land seine Soul:ution-Resident-Nights im Londoner Fabric und in Manchester. Seine Radioshow für die Red Bull Music Academy und sein MP3-Shop abunchofcuts.com zeigen, dass er weiterhin neue musikalische Wege beschreiten wird.

Mit Veröffentlichungen auf seinem eigenen, wie mit Gastauftritten auf legendären Labels wie Metalheadz, Ram oder 31, positioniert er Drum&Bass als zeitgemäße „urban soul music“. Sein neues Album „21“ erscheint am 18. April auf Soul:r.

Soul:r :
1999, als das Genre von düsteren und aggressiven Sounds dominiert war, startete Marcus´ Track „How You Make Me Feel“ auf 31 Records die Wiederbelebung eines warmen, organischen Sounds im Drum&Bass. Sein eigenes Label Soul:r führt dies seit 2001 fort und zählt heute zu den meistrespektiertesten Labels des Genres überhaupt. Der titelgebende, soulgeschwängerte uplifting Sound mit Vocaleinsatz und Songstrukturen ist nicht alles – das Label hat seit 2008 ebenfalls eine ganze eigene minimale und staubtrockene Ästhetik entwickelt und vieles vorweg genommen, wofür heute Labels wie Autonomic und Künstler wie D-Bridge oder Instra:Mental stehen. Deren Deepness hat mitunter klare Einflüsse aus Detroit, so dass es nicht verwundert, Größen wie John Tejada oder Nomadico von Underground Resistance mit Remixen auf dem Schwesterlabel Revolve:r zu finden.

4. Juli 2017 | blablablub | Tags: keine | Kommentar schreiben »

Villa Wuller Closing!? Wie es weitergehen kann

Ihr Lieben, wie ihr vielleicht schon gehört habt, könnte unsere Party am kommenden Wochenende die letzte in der Villa Wuller werden. Wahrscheinlicher ist aber, dass es weiter geht.

Die Villa hat schon seit einer Weile finanzielle Schwierigkeiten, die es dem Betreiber Berni nicht mehr möglich machen, den Club wie bisher weiter zu führen (das offizielle Statement hier).

Ich schrieb Berni dazu:

„So pathetisch das klingt, war die Villa schon immer ein Beweis, dass es noch Gutes in der Welt gibt. Und das sogar vor der Haustür.“

Und dabei soll es bleiben: Es wird auf Basis eines Kulturvereins weitergehen. Mehr Mitmachen ist hier allerdings notwendig. Dass das geht, zeigen ähnliche Strukturen andernorts.

Wir selbst haben uns fest vorgenommen, diesen neuen Weg mit Engagement zu unterstützen und auch auf Einnahmen weitgehend zu verzichten, da wir inzwischen fast alle nicht darauf angewiesen sind.

Als tempo90 sind wir im 17. Jahr dabei, kontinuierlich Drum´n´Bass in Trier zu machen und damit die langlebigste Crew zu sein. Da ist bei dieser seltsamen Nischenmusik ein kleines Wunder. Es zeigt aber auch, dass es immer Möglichkeiten gibt, alternative Räume aufzumachen.

Und dafür ist die Villa die beste aller Locations, in der wir in 20 Jahren Auflegerei zuhause sein durften. Und das hat natürlich vorrangig mit der Attitüde zu tun. Das Villa Team hat es verstanden, auf einer soliden Basis aus gutem Sound und ein paar klar kommunizierten Grundregeln Spielräume für freie Atmosphäre zuzulassen, in der man vor allem im gemeinsamen Tanzen aufgehen konnte. Das hinzubekommen, ohne dass es kippt, ist extrem schwierig.

Dass das Konzept finanzielle Schlagseite bekommen hat, hat nichts mit seinem Wert zu tun. Wenn ihr den schätzt, dann fragt, was ihr tun könnt und tut es. Es fühlt sich gut an. Ich bin zuversichtlich, dass es gemeinsam weitergehen wird und die Villa im Kern der außergewöhnliche Ort bleiben wird, der er für die letzten 6 Jahre war.

In diesem Sinne feiert nochmal mit uns:
tempo90 feat. DJ G.I.D. @ Villa Wuller

1. Juli 2017 | blablablub |

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Binary Patina 2 – The Live Performance

Here is an (almost complete) version from the live performances of our ‘Binary Patina’ project at Irminenfreihof Trier from 23rd and 24th October 2015 (buy the album on Bandcamp).

‘Binary Patina’ was the title of a series of two audiovisual live-performances that were staged as facade projections of over 800 square meters in size. For the second installment of ‘Binary Patina’, the at the time unused former Prosecutor’s office of Trier, Germany, was used as the canvas for a dynamic pictorial layer that addressed the threat of global surveillance in the digital age: Audio-visual samples of contemporary discourse, historical data on US drone strikes from the Dronestream API (banned by Apple), excerpts from the Snowden leaks, maps and 3d-renderings of NSA´s Dagger Complex near Frankfurt and GCHQ headquarters in the UK, partially obscured beyond recognition, were synthesized with the music and real-time-generated visuals.

Unfortunately it is extremely difficult and expensive to film projection mappings such as ours. So the video does not recreate the live experience at all, but gives an impression about what we did. If you like the album, it might also be interesting to listen to some earlier version from some of the tracks.

1. Juni 2017 | blablablub, Event-Reviews | Tags: keine | Kommentar schreiben »

Some Personal Thoughts on Binary Patina

In addition to the official information on the homepage, here is my personal perspective on our album ‘Binary Patina’, which sees its release today in all major stores (click here for Bandcamp). The text also answers the question, why so much time passed since the events.

The whole project has been in the works since late 2013. It has been a fantastic and rewarding experience to work on this beast with JeongHo Park and my long time musical companions Flextronic and Breakslinger, but partially it has also been a painful process (binary as well: joy and pain), so on many levels I´m happy to present its final form now.

‘Binary Patina’ was the title of a series of two audiovisual live-performances that were staged as facade projections of over 800 square meters in size. For the second installment of ‘Binary Patina’, the at the time unused former Prosecutor’s office of Trier, Germany, was used as the canvas for a dynamic pictorial layer that addressed the threat of global surveillance in the digital age with a musical live perfomance and real-time-generated visuals.

The First Version – Ephemeral as it gets

The first installment of ‘Binary Patina’ was developed in 2013 only 6-7 weeks prior to the event, which was impossible, but we somehow pulled it off, sacrificing quite a few sleep-deprived nights. It ‚only‘ consisted of an intro and 8 tracks and ran for 21 minutes as a purely audiovisual experience and was only performed once on October 30th 2013.

We didnt see the show properly with our own eyes, because we stood on a low stage with a very low ceiling, so we were eager to see the recorded material. But there were only a dozen decent photos and the videos from all four cameras were almost completely unusable and didnt give any decent impression of what happened that night. We used a few bits in the teaser trailer for BP2.

After putting so much effort into it, we were bitterly disappointed, even though we knew, we could hardly blame anyone. Local media and a lot of people were really raving about what they had experienced, but we somehow felt out of touch with the whole thing.

In the following months JeongHo worked on an app version for some time, but somehow I was reluctant to work on BP. This would have been necessary though, because at the time of the performance, most of the tracks only ran for around two minutes and needed a lot of effort to develop into full tracks. But as other projects needed my attention in 2014 (like the A.H.A. album), I didnt spend much time on developing ‚Binary Patina‘ any further.

Going Back in for BP2: Refining the Concept

In spring 2015 we were asked to do develop a new version of BP, but this time six months in advance. Although it took quite some time, until the location was finally decided (at first we were asked to do the Porta Nigra). I asked Breakslinger, if he wanted to join as a third musician, which proved to be a valuable addition. We sorted through the old material and started to write new one music as well, this time aiming for a show of around thirty minutes.

I felt the project neeeded a concept beyond mere audiovisuality. So as I´m deeply concerned with the development of the internet and digital society and we were still in the wake of the Snowden leaks in 2015, I thought that it might be a good opportunity to work on themes of global surveillance. The facade of the former Prosecutor´s office also seemed a suitable location for this. And using a transmedia format to address this internet-based and all-encompassing threat also seemed like a promising endeavour.

For one thing, I wanted to incorporate relvant data into the visuals. For example, we used historical data on US drone strikes from the Dronestream API (banned by Apple), excerpts from the Snowden leaks, maps and 3d-renderings of NSA´s Dagger Complex near Frankfurt and GCHQ headquarters in the UK, partially obscured beyond recognition.

As I knew, the concept would also have to translate to the pure audio form on the album, spoken or sung words would also be necessary. I had always been fascinated by audio-visual-sampling, from the early pionieers of the Emergency Broadcast Network or Ninja Tune´s Hexstatic to contemporary artists. So I researched video footage of contemporary discourse for significants bits, that could be used as spoken word samples. Some are well known, like former NSA Director Michael Hayden admitting that „we kill people based on meta-data“ (but no Americans, so his audience wasnt alarmed), which can be heard on the track Auto-Kill Dub.

The format of the concept album seems to have fallen out of time as people nowadays consume music as individual tracks in playlists (or in mixes, like I do a lot). BP hopefully is received (at all and) as a very diverse album, but still cohesive enough to be regarded as a concept album and not just a compilation of tracks.

Staging BP 2

BP2 was performed three times in October 2015. We did a lot more live than the first time and had an even more complicated setup. For BP1, we had stood behind the crowd, so noone knew, but this time, we were right below the projection and also illuminated and the intro credits also said „live performance“. Still people didnt get it. We refrained from using live footage of us in the projection, but surely it would have helped.

As it´s pretty hard to rehearse a show like that, because of the high cost of the projectors and the use of a public square. We only had one evening to test the visuals a few weeks before the event. So in the end we ran into a few technical problems and some things didnt work as planned. A colleague asked me, why we didnt just render the whole thing (audio and visual) beforehand. My answer is, that almost all similar architectural projection mapping projects do this and that realtime and uniqueness adds a certain quality for the maker and for the recipient.

I must admit, that I had just rediscovered that a little earlier: After few years of only going to clubs and electronic shows, I went to a my first real live music concert again in 2014. It was NIN and their audiovisual show was nothing more than breathtaking. I was completely flashed. Important to the whole experience was, that it wasnt all studio quality, but had the minor drawbacks of a live show (although we´ve come a long way, if you think about what electrified bands must have sounded in the 60s without monitoring or remember how they still did in the 90s).

Regarding the video documentation, we only made a little progress the second time around. We had tried to ensure beforehand, that there be put more planning and effort into the video documentation, which actually was, but the end results were still far from perfect. There are a lot of tricky technicalities you have to regard and specialists couldn´t be hired, because of the already high cost of the whole event.

So as our plans crumbled again, we decided in early 2016 to reshoot footage indoors to somehow combine it with bits from the live event, but we weren´t totally satisfied with the results. Some of this material can be seen in the music videos for ‘Pocket Watcher’ and ‘Panopticon’, the live footage is in the respective video. As we finally had to admit, there weren´t too many possibilities to work with the visuals, we focussed on developing the tracks for an audio-only album. Personally I went through one of the worst years of my life, so I wasnt able to finish working on the tracks until the end of 2016. With the ensuing mastering process and scheduling the release itself, it took us until May 2017 to now finally come to an end with ‘Binary Patina’.

About my Tracks

I discovered that I can work guitars into my productions really well, when I created my A.H.A.-soundtrack album in 2014/15. As a teenager I almost exclusively listened to guitar-based music, along with some HipHop before discovering electronic music in my early 20s. So I probably like my guitar-based tracks so much, because they give a more holisitic representation of me.

A few of my musical ideas were closely tied to the visuals (‚Transcend‘ for example) and lack something if only listened to, at least in my opinion. At the time of release, I´m most happy with ‚Auto-Kill Dub‘ and ‚Word of Advice‘ with Semuta on vocals. We tried to end the album with a hopeful outlook. We tried to achieve this by placing two tracks at the end of the album that reference the counter cultures of the 60s and 80s.

‚Patina‘, the second-last track, has this kind of post-punk feel to it and includes this call-to-action-sample of Annie Machon, a former MI5-Whistleblower. ‚Word of Advice‘ as the ending track is fundamentally dubstep, but uses all these 70s counter culture references in the instrumentation and sounds. Together with the intro sample and Semutas lyrics this should bring the message across, that we can join as an opposing force and try to revive the success of the historical social movements for the 21st century.

12. Mai 2017 | blablablub | Tags: keine | Kommentar schreiben »

Binary Patina – Album Preview #2

We will release our concept album ‚Binary Patina‘ on May 12th (pre-order on Bandcamp). Here is a video preview of the non-dnb tracks. Dnb can be found in preview #1. Check the homepage for all the info: www.binarypatina.de

5. Mai 2017 | blablablub | Tags: keine | Kommentar schreiben »

Gone digital – Serato Scratch Live im Einsatz

Wer meine Sets verfolgt, dem ist vielleicht mal aufgefallen, dass ich oft und gerne betont habe, dass diese ausschließlich mit Vinylscheiben aufgenommen sind. Diesen Hinweis wird es vermutlich nie wieder geben. ‚Immermusik‚ (Boom-Tschak #02) ist wohl der letzte Mix, der ohne digitale Unterstützung auskommt.

Der Vinyl-Purismus ist passé: Rane Serato Scratch Live 2 ist ins Setup integriert. Kurz erklärt: SL2 ist eine Hard- & Software-Kombination, die es erlaubt, auf normalen Plattenspielern mit speziellen Controlvinyls aufzulegen, auf die man beliebige Soundfiles wie MP3s mappen kann. Für den DJ ändert sich dadurch am Interface für´s eigentliche Mixing nichts – zumindest was die Hände betrifft, für Augen und Ohren mitunter schon, aber dazu später.

Die Wahl des Rechners fiel auf ein Thinkpad X220i. Neben den Leistungsanforderungen sollte es eine max. Größe von 12-13″ haben und für den Clubeinsatz robust gebaut sein. Dort ist auch nützlich, dass es zwar keine beleuchtete Tastatur, aber ein kleine Lampe neben der Kamera gibt, die die Tasten erhellt.

Als zusätzlichen Controller hab ich die Novation Dicer im Auge, aber das entscheide ich erst nach ein bißchen weiterem rumprobieren. Der gute Ecler HAK 320-Mixer wird nicht so schnell ausgetauscht. Da der keine Effekte hat, wäre es reizvoll, die Serato-FX via Controller einzusetzen, aber ich bin bisher kein großer FX-Freund.

Der Grund: Der Connaisseur braucht Access

Als DJ interessiert es mich, interessante Musik aufzuspüren, zu bearbeiten und anderen zugänglich zu machen. Und egal wo die Mission zwischen „I make you jump & sweat“ und „I make you listen in awe and wonder“ angesiedelt ist, mit dem Zugang zu Information, d.h. Musik, fängt alles an.

Der Hauptgrund für diesen Switch ist die Masse an großartiger Tracks, die nur noch digital erscheint, was mich lange genug frustriert hat. Zudem werden die verbleibenden Vinyl-Releases auflagenorientierter, heisst: Viel Avantgardistischeres erscheint zur potenziellen Verlustminimierung rein digital. Die Stückmargen sind bei Vinyl zwar einiges höher, dafür aber auch die erheblichen Fixkosten für Pressung, Distribution … da schlagen die klassischen ökonomischen Vorteile digitaler Netze durch. Da die Künstler mehr an in schwarzes Gold gepresster Musik verdienen, wird weiterhin auch gekauft, was auf solchem erscheint.

Erster Eindruck nach 3-4 Sessions

Eine absolut richtige Entscheidung: Endlich alles auf dem Teller. Plus kleinere Arbeitserleichterungen für das Drumherum in einem reduzierten Interface. Die Software übernimmt allerdings nicht automatisch das Beatmatching, also die Synchronisation der Scheiben, wie z.B. das Konkurrenzprodukt Traktor. Das muss man schön weiter selbst machen. Allerdings funktioniert die visuelle Hilfestellung über BPM-Anzeigen und Wellenformen tatsächlich gerade bei vertrackteren Beats sehr gut.

Aber an die will ich mir gar nicht groß gewöhnen. DJing ist für mich reizvoll, da man es mehr oder weniger blind mit den Ohren und Händen macht. Ungewöhnlich in unserere visuell-dominierten Kultur. Und besonders für jemanden, der ihrer digitalen Seite seine (langen) Tage widmet, war es für mich immer eine Oase der Analogen, mich an die Plattenteller zu stellen.

In Analogie zu vielen anderen Feldern habe ich gegrübelt, wie sich mittelfristig der Unterscheid bemerkbar macht, ob man seine Kompetenzen aus der analogen in die digitale Domäne mitnimmt oder man von Anfang an mit den ‚Stutzrädern‘ Waveform & Co. anfängt und seine Ohren nicht so trainieren muss.

Auch noch aus der Abteilung „Opa erzählt vom Krieg“: In den 90ern hab ich für die ersten 12″ mit zwei Tracks noch 18 Mark bezahlt. Heute bekommt man dafür knapp das Zehnfache als MP3s, von der vielen freien Musik und dem illegalen Angebot mal ganz abgesehen. Die Menge macht die Auswahl und Zusammenstellung nicht einfacher. Ich habe mir natürlich gleich eine Fülle an Musik gekauft und schnell festgestellt, dass ich sie natürlich noch gar nicht gut genug kenne, um ein vernünftiges Set aufzustellen.

Was kommt: Sets, Sets, Sets!

Ich sortiere gerade Tracks für ein neues Dubwise/Raggajungle-Set, wie sie mir gerade im Club auch wieder irre Spaß machen. Besonders Lust habe ich außerdem auf ein dubbiges Halfstep-Set (Arbeitstitel Dub Foundation) und ein tribal/percussionlastiges Set. Und Cumbia natürlich, da ging auf Platte fast gar nix.

Wo bleibt Dubstep? Drum&Bass hat sich wohl Dank Dubstep in den letzten Jahren von seiner Formelhaftigkeit gelöst und ist wieder verdammt spannend geworden. Statdessen hat Dubstep gerade eher aktuell ein Problem mit Mainstreamadaption (Scooter, Nena, Justin Bieber …. Hallo?!?!) seiner eher dämlichen Midrange-In-Your-Face-Plärr-Facette, das mich sehr abschreckt, auch wenn natürlich weiterhin jede Menge toller Sachen rauskommen. Aber das überlass ich dann doch lieber den 1A-Experten Flextronic und RFLX.

2. März 2012 | blablablub |

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Am Türpfosten hängengeblieben?

Türsteher, die ihren Job schlecht machen, sind ein leidiges Thema:

Wir hatten schon erwartet, dass wir in der noch nicht etablierten Location „Kulturgut“ Besuchereinbußen zu erwarten hätten. Dass wir den Minusrekord in über 9 Jahren tempo90 einfahren würden, hat uns dann doch überrascht. Wie sich nun herausstellt, lag das offenbar nicht alleine an Faktoren wie der Openhouse-Massenveranstaltung am Vortag, startenden Uniferien und der ersten lauen Sommernacht des Jahres, sondern auch am Türsteher.

Inzwischen haben wir von einer ganzen Reihe voneinander unabhängigen Fällen gehört, denen der Türsteher ausgeredet hat, die Veranstaltung zu besuchen. Übereinstimmungen aus den Berichten betreffen Äußerungen, dass nix los sei und man ohnehin in ner halben Stunde schliessen würde, die Euros könne man sich sparen. Im frühesten bekannten Fall ist das wohl bereits gegen 0.15h passiert.

Da wollte wohl jemand früh Feierabend machen.

Uns wurde das erst bewusst als uns gegen 2 Uhr einige Freunde unter den Gästen auf das Problem ansprachen. Da das Personal vom Kulturgut gestellt wird, haben wir selbst keine organisatorische Verantwortung, zuständig war die Veranstaltungsleiterin, die sich dem Problem auch sofort annahm. 2.30 Uhr sollte also niemand mehr an der Tür hängen geblieben sein, aber das war natürlich reichlich spät.

Wem ist das noch passiert? Meldet euch in den Comments oder per Mail!

Von unserer Seite eine Entschuldigung an alle, die weggeschickt wurden – es lag leider nicht in unserer Hand! Schade, denn wir haben eigentlich einen positiven Gesamteindruck von der Location: Die Anlage kann was, Atmo & Licht sind auch gut und das eigentliche Team ist wirklich supernett.

Der Vorfall hat inzwischen für einige Aufregung gesorgt und der Betreffende muss sich wohl andere Türen zum stehen suchen.

29. Mai 2010 | blablablub |

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